HÄUSERGESCHICHTEN
Worringer Häuser erzählen Ihre Geschichte
Hackhauserweg 15

Hackhauserweg 15 ca 1946
Wann wurde das Haus erbaut?
Das Haus Hackhauserweg 15 wurde 1907 erbaut. Der ursprüngliche Bauherr ist zurzeit nicht bekannt. Ist aber in Recherche.
Am 17.6.1935 erwarb Herr Josef Mölter das Haus
Hackhauserweg 15 in Köln Worringen von der Stadt Köln.
Am 22.12.1960 erwarb Herr Hilar Schwarz, verheiratet mit Margarethe
Schwarz, geb. Schlimgen (Worringer Name ` Bunneköttel´) das Haus Hackhauserweg
15 von den Eheleuten Mölter.
Seit 1960 ist das Haus unverändert im Besitz der Familie Hilarius
Schwarz.
Was war besonders und wer hat hier gewohnt?
Es gibt unter anderem ein Mahnmal gegen den Krieg zu entdecken.
Das Haus wurde zeitweise von drei Familien bewohnt.
1940 wohnte die Familie Esser im Haus und erlebte 1944 einen Bombenangriff, bei dem das Haus Bitterstr. 5 zerstört wurde und das Haus Hackhauserweg 15 beschädigt wurde. Herr Prof. Dr. Hermann Esser wurde 1938 im Hackhauserweg 15 geboren. Er war so freundlich mir seine Kindheitserlebnisse aufzuschreiben. Sein Bericht im Anhang erzählt ganz plastisch diesen Tag aus seiner Erinnerung.
Am 4.3.1945 marschierten dann die Amerikaner in Worringen ein. Ein amerikanischer Panzer suchte Deckung im Garten des Hauses Hackhauserweg 15. Das Gewicht des Panzers durchbrach die Abdeckung des Löschbrunnens der Feuerwehr. Der Panzer hatte sich festgefahren. Aber lesen Sie selbst den spannenden zweiten Bericht von dem Zeitzeugen Herrn Prof. Dr. Hermann Esser…
In den 60iger Jahren lebte hier im Erdgeschoß die Familie
Thea (*1900+1970) und Josef Fusten, in der ersten Etage das Ehepaar Förster und
im Anbau die alleinstehende Frau Schmitz.
Von 1978 bis 1989 bewohnte die Familie Altunthay das gesamte Haus.

Thea und Josef Fusten, Bewohner Hackhauserweg 15 nach 1947
Bewohner und Freunde im Garten, Hackhauserweg 15 nach 1959
Mahnmal gegen den Krieg
Bei Umbauarbeiten 1989 wurde auf dem Speicher ein
Granatsplitter gefunden. Noch heute sind an dem Haus Beschädigungen sichtbar,
die nach dem Krieg mit gelblichen Klinkersteinen ausgebessert worden sind.
Siehe Foto und entdecken Sie das Mahnmal gegen den Krieg.
Sie stehen unmittelbar davor.

Mit gelben Klinkern ausgebesserte Kriegsschäden, die durch den beschriebenem Bombenangriff 1944 entstanden sind. Zeitzeugen Bericht siehe unten.
In den 80er Jahren sollte das Haus abgerissen werden, weil die Stadt Köln eine direkte Verbindung von der Bitterstr. zur St. Tönnisstr. herstellen wollte. Durch die verkehrsberuhigenden Maßnahmen in den 90er Jahren und die dadurch veränderte Stadtplanung durfte das Haus dann doch stehenbleiben und wurde von Henrike und Hilarius Schwarz ab 1990 zu Ihrem privaten Wohnhaus umgebaut.
2017 wurde das Haus wieder in zwei Wohneinheiten geteilt. Ab 2018 zog die Rettungswache vorübergehend für die Bauzeit des neuen Rettungswachengebäudes an der St. Tönnisstr. in das Vorderhaus ein. Das Hinterhaus wird nach wie vor von der Familie Henrike und Hilarius Schwarz privat genutzt.
Persönliche Erlebnisberichte Zeitzeugen:
Persönlicher Erlebnisbericht von Prof. Dr. Hermann Esser, geboren 1938 im Haus, Hackhauserweg 15, in Worringen, als Sohn der Eheleute Esser.
Bombenangriff 1944
Bombenangriff 1944 auf das Haus Bitterstraße 5 in Köln-Worringen. Neben den vielen Luftangriffen auf Großstädte wie z.B. Köln war auch die Zerstörung kriegswichtiger Industrie das Hauptziel alliierter Bombenangriffe. So waren die benachbarten Bayerwerke sowohl in Dormagen als auch im nahegelegenen Leverkusen ständig von Bombenangriffen bedroht. Das auf der anderen Rheinseite gelegene Chemiewerk zur Erzeugung synthetischer Kraftstoffe in Monheim wurde 1944 durch einen gezielten Großangriff vollständig zerstört.
Immer häufiger, sowohl tagsüber als auch nachts, gab es Bombenalarm. Als Warnsignal wurden drei kurze aufeinander folgende Sirenentöne verwendet. Ein längerer Einzelton bedeutete Entwarnung. Tagsüber mussten wir Kinder, im Alter von 4, 6 und 7,5 Jahren, dann sofort ins Haus. Bei einem Fliegeralarm nachts wurde mein kleiner Bruder von meiner Mutter aus dem Bett genommen und in eine Decke gehüllt. Meine ältere Schwester und ich mussten uns selbstständig warme Kleidung anziehen. Dann suchten wir gemeinsam unseren Schutzraum im Keller auf und blieben dort so lange, bis Entwarnung gegeben wurde. Das konnte dauern!
Noch heute überfällt mich ein beklemmendes Gefühl, wenn ich eine Warnsirene höre und mich dabei an den Geruch des feuchtkalten Kellers erinnere.
Der Schulunterricht für meine Schwester und mich fand schon seit den Sommerferien 1944 nicht mehr statt. Dringende Erledigungen im Ort wurden nun von meiner Mutter ohne uns Kinder gemacht. Wir durften nicht mehr mit. Bevor sie ging, erhielten wir jedes Mal eindringlich die Anweisung, nur auf dem Hof oder im Kellereingang zu spielen, um dann im Notfall sofort den Schutzraum aufzusuchen. Dabei sollten wir uns gegenseitig beaufsichtigen.
Mit der näher rückenden Front nahm der Verkehr von Militärfahrzeugen durch Worringen zu, und Tieffliegerangriffe auf deutsche Fahrzeugkolonnen wurden häufiger. Manchmal wurden Fahrzeuge in unserer Nähe an der Friedhofsmauer abgestellt. Meist waren sie am nächsten Tag wieder weg.
Wir benötigten dringend Heizmaterial für den Keller. Meine Mutter hoffte, noch einige Briketts oder Kohlen irgendwo zu bekommen. Mit der üblichen Bitte, in der Nähe des Kellers zu bleiben, ging sie mit dem Handwagen zum Kohlenhändler bei der alten Kirche am Markt.
Nach einiger Zeit gab es Fliegeralarm. Wir Kinder gingen sofort in den Keller und schlossen die Schutztür des Kellereingangs. Kurze Zeit später hörten wir aufheulende Motoren, gefolgt von ohrenbetäubenden Explosionen. Der ganze Keller bebte und wurde stark durchgeschüttelt. Wir waren sehr erschrocken und verängstigt.
Fast gleichzeitig flog die Schutztür wieder auf. Eine Henkelkanne kullerte die Holztreppe hinunter. Der Inhalt ergoss sich über die Stufen und den Kellerboden. Dahinter stürzte Michel, ein Nachbarsjunge von schräg gegenüber, die Treppe herunter. Er stürmte in eine Ecke des Kellers, hockte sich dort hin und war nicht ansprechbar.
Kurz darauf stand meine Mutter total abgehetzt im Keller. Sie hatte die Bombeneinschläge in unserer Nähe gesehen und den beladenen Handwagen einfach stehen gelassen. So schnell sie konnte, lief sie nach Hause. Überall verstreut, auch auf unserem Hof, lagen Trümmer.
Glücklich und erleichtert sah sie uns dann unversehrt alle im Keller versammelt. Später brachte sie Michel zu seinen Verwandten in der Nachbarschaft. Als sie zurückkam, erzählte sie uns, dass Michels Elternhaus, Bitterstr. 5, durch einen Volltreffer zerstört worden war. Michel war von seinem Vater, der auf Heimaturlaub war, gebeten worden, Bier in einer benachbarten Gaststätte zu holen. Auf dem Rückweg wurde er von angreifenden Flugzeugen überrascht und konnte gerade noch so in unseren Keller flüchten. Seine Familie und weitere Bewohner des Hauses suchten nach Ertönen der Sirene sofort Schutz in ihrem Keller. Sein Vater aber blieb mit der Bemerkung: "Ich kämpfe an der Front! Was soll mir hier schon passieren?" in der Wohnung zurück. Michels Tante leistete ihm dabei Gesellschaft. Beide fanden bei diesem Bombenangriff den Tod. –


Eheleute Esser, 1939 und die Kinder Katharina, Hermann und Friedrich Esser, 1941
Persönlicher Erlebnisbericht von Prof. Dr. Hermann Esser, geb 1938 im Hackhauserweg 15, 50769 Köln-Worringen, Sohn der Eheleute Esser
Einmarsch der Amerikaner in Worringen 1945
Kurz vor seiner Einberufung zur Wehrmacht im Jahr 1940 baute mein Vater einen Teil des Kellers im Vorderhaus zu einem Luftschutzraum aus. Der Kellerraum erhielt einen weiteren Eingang zum Hof durch die Erweiterung des Kellerfensters und eine angebaute kleine Holztreppe. Nach außen wurde dieser neue Eingang durch eine aus Stein gebaute Umrandung mit einer stabilen Holztür geschützt, die bei Bedarf geschlossen, aber nicht abgeschlossen werden konnte. Die Kellerdecke wurde durch zusätzliche Stützen aus abgesägten Telefonmasten gesichert, und ein Stockbett wurde eingebaut. Ein kleiner Kohleofen sowie ein winziger Tisch mit Stühlen vervollständigten die Einrichtung. Dieser Raum sollte für meine Mutter und uns drei Kinder, damals 4 1/2, 6 1/2 und 8 Jahre alt, manchmal auch für Nachbarn, häufig und für längere Zeit Unterschlupf bieten.
Als die Amerikaner am 4. März 1945, an einem Sonntag, in Worringen einmarschierten, lebten wir bereits seit einigen Tagen zusammen mit einem alten Ehepaar aus der Nachbarschaft in unserem Luftschutzkeller. Neben Schüssen hörten wir um die Mittagszeit plötzlich starke Motorengeräusche und das Klirren von Panzerketten. Wir wussten, die von den Erwachsenen mit Bangen erwarteten Amerikaner waren da! Das gesamte Haus wurde von mehreren amerikanischen Soldaten nach versteckten deutschen Soldaten und Waffen durchsucht, aber es wurde nichts gefunden. Die Soldaten zogen ab. Später hörten wir wieder sehr starke Motorengeräusche und Kettenklirren, die dann jedoch plötzlich verstummten. Die Aufregung ließ nach, und wir Kinder setzten unsere Spiele im Keller fort.
In einem unbeaufsichtigten Moment gelangten mein kleiner Bruder, meine Schwester und ich trotz des Verbots meiner Mutter auf den Hof und sahen mit großem Erstaunen einen Panzer dort stehen. Die Klappen waren geöffnet, und Soldaten, darunter auch ein Farbiger, saßen außen auf dem Panzer, rauchten und kauten Kaugummi. Die Soldaten sprachen zu uns, aber wir verstanden sie nicht und sie lachten. Mein kleiner Bruder antwortete, indem er mit seinem Zeigefinger auf seinen Mund zeigte und in echtem kölschen Platt fragte: "Wat keuste do?" Wahrscheinlich wurde er auch nicht verstanden, aber einer der Männer deutete seine Geste richtig, winkte ihn heran und gab ihm lachend ein Päckchen Kaugummi. Das war das erste Mal, dass wir einen farbigen Menschen sahen, den wir sonst nur aus Märchen und Erzählungen kannten. Meine Mutter kam und holte uns Kinder wortlos wieder in den Keller zurück.
Am nächsten Tag waren Panzer und Soldaten weg. Der Beschuss von deutscher und amerikanischer Seite ließ nach, und wir trauten uns wieder auf den Hof. Umgekippte Grabsteine auf dem Ausstellungsgelände des benachbarten Steinmetzbetriebs von Hilarius Schwarz sowie die zerbrochene Abdeckplatte eines sehr tiefen Brunnens aus großen Betonringen auf dem Hof zeigten uns den Weg, den der Panzer genommen hatte. Die Gefahr, dass jemand durch die entstandene Öffnung in den Brunnen fallen könnte, war sehr groß. Deshalb entschloss sich meine Mutter, aus dem benachbarten Steinmetzbetrieb einige Platten zu holen, um das Loch zu schließen. Kaum hatten wir gesehen, wie sie mit einem Handwagen kam, saßen mein Bruder und ich bereits drin. Wir wollten mit, und nach kurzer Diskussion willigte sie ein. Es waren ja auch nur einige Meter Entfernung.
Meine Mutter zog gerade den Handwagen mit uns darauf auf das Nachbargelände, als wir kurz Pfeifgeräusche hörten, gefolgt von Explosionen. Gleichzeitig sahen wir Dreckfontänen auf dem gegenüberliegenden freien Feld emporsteigen. Granatsplitter schlugen in unsere Hauswand ein. Mein Bruder sprang sofort aus dem Wagen und rannte zum Kellereingang, während ich wie erstarrt im Wagen sitzen blieb. Im Vorbeilaufen riss meine Mutter mich hoch und lief, mich eher schleppend als tragend, auch zum Keller. Wir waren in Sicherheit. Den zurückgelassenen Wagen holte meine Mutter erst viel später zurück.
(persönlicher Erlebnisbericht von Prof. Dr. Hermann Esser, geb 1938 im Hackhauserweg 15, Sohn der Eheleute Esser)
Weitere Bilder vom Hackhauserweg 15

Hackhauserweg 15 feiert Karneval, 2011


Weihnachten im Schnee, Fotos 24.12.2010